Detlev Dannenberg

Das Lernsystem Informationskompetenz (LIK)

Konzept und Ausführung als LIK-VU-Wedel

Der Mensch in der heutigen Gesellschaft sieht sich einer täglich wachsenden Flut von Informationen ausgesetzt und der Anforderung zu ihrer Bewältigung das Leben lang die eigene Informationskompetenz zu entwickeln. Es ist eine grosse Herausforderung für alle Lehrenden ihre Lernenden dabei zu unterstützen.

Die einzelne Lehrperson sollte sich dieser Herausforderung nicht allein stellen müssen. Nein, dieses Ziel läßt sich nur durch Bündelung und Entwicklung der vorhanden Ressourcen aller Institutionen und die Bildung von Lernpartnerschaften und Netzwerken zur Vermittlung von Informationskompetenz erreichen. Es ist die Aufgabe von Lehrenden in Schulen, Hochschulen, Bibliotheken und in Institutionen der beruflichen und privaten Aus- und Fortbildung ihre unterschiedlichen Kompetenzen auszutauschen und gegenseitig zu ergänzen.

Wie ließe sich das erreichen?

Mit dem Lernsystem Informationskompetenz (LIK) habe ich ein Konzept für Angebote öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken an Lernpartnerinnen und Lernpartner entwickelt:

Die Grundidee ist die Vermittlung von Informationskompetenz (information literacy) durch Bibliotheken für lebenslanges Lernen. So wie an Schulen und Hochschulen in den USA soll jeder Mensch in verschiedenen Lebensabschnitten auf den jeweiligen Bedarf und aufeinander abgestimmte Übungen zur Entwicklung der persönlichen Informationskompetenz absolvieren, in Bibliotheken aller Art in Kooperation mit Schulen, Hochschulen, beruflichen Aus- und Fortbildungseinrichtungen sowie im Privaten.

In Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Schulen im Südwesten Schleswig-Holsteins habe ich die Übung LIK-VU konzipiert und als LIK-VU-Wedel eingeführt. Sie ist ein Angebot der Stadtbücherei Wedel an 11. Klassen (Rist-Gymnasium und IGS Wedel) im Rahmen des Fachs "Vertiefender Unterricht". Hierbei wird in enger Kooperation mit den Lehrenden Informationskompetenz vermittelt mit den vier Seiten Thema finden, Informationen finden, Informationen beurteilen und Informationen verarbeiten (incl. präsentieren).

Der Ansatz ist handlungsorientiert, der Ablauf soll gemeinsam forschendes Lernen anregen und richtet sich nach dem Bedarf der Lernenden. Deren Leistungen umfassen im halben Schuljahr ein Rechercheprotokoll mit Recherchen an vorgegebenen Stationen, ein wissenschaftlicher Text und eine Präsentation. Das Thema kann völlig frei gewählt werden oder es gibt Themenkreis-Vorgaben (Preußen). Nach einer Vorrecherche in der Stadtbücherei wird ein Modellrechercheprotokoll gemeinsam nachgespielt. Unterschiedliche Kompetenzen der Lernenden werden ausgetauscht, gegenseitiges Helfen gefördert, individuelle Unterstützung von Stadtbücherei und Schule gegeben. Ergänzende Einheiten zum wissenschaftlichen Arbeiten (Belege, Zitate, Literaturlisten) beziehen sich auf die Erfordernisse des anzufertigenden Textes. Die Rechercheprotokolle der Lernenden werden von der Stadtbücherei beurteilt, die drei Leistungen von den Lehrenden bewertet.

Die Ergebnisse zeigen zunächst eine normale Notenverteilung, allerdings waren einige Lernende durch die freie Themenwahl so motiviert, dass sie überdurchschnittliche Leistungen zeigten. Durch die Teilnehmerorientierung und die Themenzentrierung ist nachhaltiges Lernen zu vermuten.

Die erworbene Informationskompetenz muss dafür von der Schule verfestigt werden. Durch den Einsatz von LIK-VU-Wedel bieten sich Möglichkeiten zur Festlegung von Standards, klaren Regelungen und Anweisungen, wie wissenschaftliche Arbeiten an der jeweiligen Schule zu verfassen sind.

Die Fortführung und feste Institutionalisierung von LIK-VU-Wedel wird von allen Beteiligten gewünscht, weitere Schulen und Bibliotheken sind interessiert. Die Erfahrungen zeigen, dass die Bildung von Lernpartnerschaften und Netzwerken zur Vermittlung von Informationskompetenz mit professioneller und finanzieller Unterstützung möglich ist.

Kontakt: Dipl.-Bibl. Detlev Dannenberg
Bibliothek der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg